Traurig aber wahr

Ich wünschte, es wäre ausgedacht

Einleitung

Ich sitze mit weiteren 8 Personen in einem Kölner Restaurant. Unter anderem sind in der Gruppe noch ein selbständiger Handwerker SHK mit 16 Mitarbeitern und ein angestellter Schlosser von einem mittelständischen Unternehmen, etwa 200 Mitarbeiter.

An einem Ausschnitt der Unterhaltung an dem Abend möchte ich sie gerne teilhaben lassen und auch erklären, warum ein anschließender Besuch im Supermarkt mich traurig gestimmt hat.

Der Ausschnitt aus dem Gespräch

Selbstständiger Handwerker: Meine Mitarbeiter bekommen zu Weihnachten neben Weihnachtsgeld auch einen Einkaufsgutschein über 100 €. Als zusätzliches Zeichen der Anerkennung. Zumal es so in dem Ort bleibt, wo unser Unternehmen ansässig ist. So können wir auch noch einen Beitrag für die örtlichen Gewerbetreibenden leisten.

Ich: Das finde ich gut und zeigt, dass Du Dir Gedanken gemacht hast. Wobei es mich bei Dir nicht wundert, da ich ja bereits weiß, was Du sonst noch für Deine Mitarbeiter machst.

Schlosser: Wir bekommen gar nichts, kein Zeichen der Anerkennung, rein gar nichts. Unser Chef glaubt wahrscheinlich, es wäre eine Ehre, für ihn arbeiten zu dürfen.

Mein Besuch im Supermarkt

Ein paar Tage stehe ich im Supermarkt vor der Weihnachtsschokolade. Mein Blick fällt auf die Schokoweihnachtsmänner, Kostenpunkt ca. 3 € / Stück. Da wurde ich schlagartig wütend und traurig. Ich verlange nicht, dass jeder Mitarbeiter einen Gutschein über 100 € zu Weihnachten bekommt. Zumal 2025 wirtschaftlich teilweise eine richtige Herausforderung war, wie 2026 wird weiß noch niemand.

Wenn wir jedoch an dem Punkt sind, dass selbst eine Süßigkeit für 3 € nicht mehr machbar ist, dann läuft gewaltig etwas schief. Wenn hingegen gar nicht das Geld das Problem ist, sondern die Idee, dass ein Zeichen der Wertschätzung nicht mehr angebracht ist, hat das einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Eine notwendige 180 Grad wende

Mitarbeiter sind wie die Luft zum Atmen. Man merkt erst, was fehlt, wenn es nicht mehr da ist. Ein Unternehmen, egal in welcher Größe, dass Wertschätzung der eigenen Belegschaft gegenüber für unnötig hält, hat keine Mitarbeiter mehr verdient.

Das oben genannte Beispiel, welches kein Einzelfall ist, zeigt mehrere Dinge. Wertschätzung muss nicht teuer sein. Ein kleines Zeichen der Aufmerksamkeit reicht hier bereits aus. Zudem ist das ganze alternativlos. Ein Mitarbeiter, dem signalisiert wird, dass er unwichtig ist, wird früher oder später das Unternehmen verlassen.

Kleiner Tipp, auch aus eigener Erfahrung, wenn der Zug den Bahnhof verlassen hat, brauche ich nicht mehr auf den Fahrplan zu sehen.

Fazit

Ein Zeichen der Wertschätzung muss nicht teuer sein. Jedoch ist es unerlässlich, wenn die eigene Belegschaft langfristig bleiben soll. Wenn gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung in einer Beziehung fehlen, wird diese irgendwann zerbrechen.

Mit dem Wunsch nach gegenseitigem Respekt verbleibe ich mit besten Grüßen!

Ihr
Christian Milerski