Meine Tür ist immer offen
Einleitung
„Meine Tür steht immer offen.“
Ein Satz, den viele Führungskräfte gerne sagen. Er soll signalisieren: Ich bin ansprechbar. Wenn du ein Problem hast, komm einfach zu mir. Du kannst jederzeit mit mir reden.
Und grundsätzlich ist das eine gute Haltung. Eine offene Tür kann Vertrauen schaffen, Nähe ermöglichen und Hemmschwellen abbauen. Doch eine offene Tür allein macht noch keine gute Führung. Denn die entscheidende Frage lautet nicht: Ist die Tür offen? Sondern: Trauen sich die Mitarbeiter tatsächlich, hindurchzugehen?
Die offene Tür ist nur dann etwas wert, wenn jemand hindurchgeht
Manche Führungskräfte sind ehrlich überrascht, wenn Mitarbeiter Probleme lieber untereinander besprechen, statt zu ihnen zu kommen. „Aber meine Tür steht doch immer offen!“ Genau hier liegt der Denkfehler. Eine offene Tür sagt noch nichts darüber aus, was einen Mitarbeiter dahinter erwartet.
Hat der Mitarbeiter in der Vergangenheit erlebt, dass seine Probleme ernst genommen wurden? Kann er aussprechen und wird bis zum Ende angehört? Oder bekommt er sofort eine Lösung präsentiert? Wird eine kritische Meinung als wertvoller Hinweis verstanden, oder als Angriff auf die eigene Autorität?
Mitarbeiter beobachten sehr genau, was passiert, wenn jemand den Mut hat, durch diese Tür zu gehen.
Wenn ein Mitarbeiter einmal mit einem Problem kommt und anschließend das Gefühl hat, dafür kritisiert, belächelt oder nicht ernst genommen worden zu sein, wird er sich beim nächsten Mal zweimal überlegen, ob er diese Tür noch einmal benutzt. Dann ist die Tür zwar weiterhin offen. Aber das Vertrauen ist geschlossen.
Führung beginnt nicht an der Tür, sondern dahinter
Gute Führung bedeutet deshalb mehr, als eine offene Bürotür anzubieten. Sie bedeutet, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Mitarbeiter keine Angst davor haben, sie zu durchqueren.
Dazu gehört auch, dass Führungskräfte selbst aktiv werden. Nicht immer darauf warten, dass jemand kommt, sondern regelmäßig fragen: „Wie läuft es gerade?“ Und vor allem: wirklich zuhören.
Denn Mitarbeiter müssen nicht nur wissen, dass sie etwas sagen dürfen. Sie müssen erleben, dass es sicher ist, etwas zu sagen.
Eine Führungskraft kann die beste Offene-Tür-Politik des Unternehmens haben. Wenn Mitarbeiter hinter dieser Tür einen Vorgesetzten erwarten, der genervt reagiert, sofort widerspricht oder jedes Problem persönlich nimmt, bleibt die Tür praktisch geschlossen.
Fazit
„Meine Tür ist immer offen“ ist ein guter Anfang.
Aber gute Führung erkennt man nicht daran, wie weit die Tür offensteht. Man erkennt sie daran, wie sicher sich Mitarbeiter fühlen, durch diese Tür zu gehen.
Deshalb sollten Führungskräfte sich nicht nur fragen:
„Ist meine Tür offen?“
Sondern:
„Was erleben meine Mitarbeiter, wenn sie durch diese Tür kommen?“
Denn manchmal ist die Tür weit geöffnet. Und trotzdem kommt niemand herein.
Mit dem Wunsch, dass offene Türen zu wertschätzenden Gesprächen auf Augenhöhe führen, verbleibe ich mit besten Grüßen!
Ihr
Christian Milerski