Kultur zeigt sich an einem Dienstagmorgen um 7:28 Uhr
Einleitung
Im Recruiting kann sich ein Unternehmen von seiner besten Seite zeigen. Hochglanzkarriereseiten, moderne Büros, attraktive Benefits, Obstkörbe und ein sympathisches Teamfoto. Dazu vielleicht noch ein Satz wie: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt.“
Klingt gut. Aber Unternehmenskultur entsteht nicht auf der Karriereseite. Und sie beweist sich auch nicht im Bewerbungsgespräch.
Die entscheidende Frage ist eine ganz andere: Was passiert an einem Dienstagmorgen um 7:28 Uhr, wenn plötzlich ein echtes Problem auftaucht?
Wenn es ernst wird, zeigt sich die Wahrheit
Montagmorgen kann man sich noch zusammenreißen. Beim Recruiting kann man sich hervorragend präsentieren. Selbst im Vorstellungsgespräch lässt sich eine Unternehmenskultur überzeugend beschreiben. Aber wenn am Dienstagmorgen eine Maschine ausfällt, ein wichtiger Kunde anruft, ein Mitarbeiter kurzfristig ausfällt oder ein Fehler passiert ist, wird es interessant.
Dann zeigt sich, wie miteinander gesprochen wird. Wird sofort ein Schuldiger gesucht? Oder wird gemeinsam nach einer Lösung gesucht? Wird der Mitarbeiter, dem der Fehler passiert ist, vor versammelter Mannschaft zur Rede gestellt? Oder fragt die Führungskraft zuerst:
„Was brauchen Sie, damit wir das Problem lösen können?“
Genau in diesen kleinen Momenten wird die Unternehmenskultur sichtbar. Nicht in den Worten, die ein Unternehmen über sich selbst sagt, sondern in dem Verhalten, das Mitarbeiter jeden Tag erleben.
Mitarbeiter erleben Kultur und lesen sie nicht
Für Bewerber ist die Karriereseite ein Versprechen. Für Mitarbeiter ist der Alltag die Realität.
Ein Unternehmen kann sich im Recruiting noch so modern präsentieren. Wenn der neue Mitarbeiter nach drei Wochen erlebt, dass Fehler bestraft, Fragen als Schwäche ausgelegt und Probleme möglichst nach unten weitergereicht werden, braucht es keine sechs Monate, um die tatsächliche Unternehmenskultur zu verstehen.
Mitarbeiter merken sehr schnell, ob Wertschätzung tatsächlich gelebt wird. Sie merken, ob Führung auch dann funktioniert, wenn es unbequem wird. Und sie merken vor allem, ob die schönen Aussagen aus dem Recruiting tatsächlich etwas mit ihrem Arbeitsalltag zu tun haben.
Unternehmenskultur ist deshalb kein Kommunikationsproblem. Sie ist ein Verhaltensproblem.
Fazit
Wenn Sie wissen möchten, wie gut Ihre Unternehmenskultur wirklich ist, schauen Sie nicht zuerst auf Ihrer Karriereseite nach.
Schauen Sie auf einen Dienstagmorgen um 7:28 Uhr.
Schauen Sie hin, wenn etwas schiefläuft. Wenn der Druck steigt. Wenn ein Fehler passiert. Wenn ein Mitarbeiter mit einem Problem zu Ihnen kommt und die Situation gerade überhaupt nicht in Ihren Tagesplan passt.
Denn genau dann zeigt sich, was von den großen Worten tatsächlich übrig bleibt.
Recruiting kann Menschen davon überzeugen, bei Ihnen anzufangen.
Ihre Unternehmenskultur entscheidet darüber, ob sie bleiben wollen.
Mit dem Wunsch, dass die Kultur so gelebt wird, wie die Mitarbeiter sich das wünschen, verbleibe ich mit besten Grüßen!
Ihr
Christian Milerski