Herzlichen Glückwunsch! Sie haben Ihren besten Mitarbeiter verloren.

Einleitung

Es gibt Unternehmen, die haben eine ganz besondere Begabung: Sie schaffen es, mit einer einzigen Personalentscheidung gleich mehrere Probleme zu verursachen.

Man nehme einen hervorragenden Mitarbeiter, der fachlich absolute Spitzenklasse ist, befördere ihn zur Führungskraft und wundere sich anschließend darüber, dass plötzlich die halbe Abteilung über eine Kündigung nachdenkt.

Herzlichen Glückwunsch! Aus einem hervorragenden Facharbeiter haben Sie möglicherweise eine miserable Führungskraft gemacht. Und das Beste daran: Den ursprünglichen Arbeitsplatz müssen Sie jetzt auch noch neu besetzen.

Fachlich eine Rakete, menschlich ein Blindgänger

Wer fachlich hervorragende Arbeit leistet, muss nicht automatisch Menschen führen können. Das eine hat mit dem anderen ungefähr so viel zu tun wie ein Feuerlöscher mit einem Brandstifter. Beide haben mit Feuer zu tun, verfolgen allerdings vollkommen unterschiedliche Ziele.

Trotzdem scheint in manchen Unternehmen die Beförderung zur Führungskraft die einzige Möglichkeit zu sein, gute Leistungen entsprechend zu honorieren.

Dass Menschenführung ganz andere Fähigkeiten erfordert, wird dabei gerne übersehen. Schließlich kennt der neue Abteilungsleiter die Maschinen, die Abläufe und die Produkte. Da wird er mit diesen lästigen Menschen schon irgendwie zurechtkommen.

Und wenn nicht? Dann liegt es bestimmt an der Generation Z.

Befördern ist einfach. Befähigen wäre Arbeit.

Eine Führungskraft benötigt nicht nur Fachwissen, sondern auch die Fähigkeit, zuzuhören, Konflikte zu lösen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen.

Das kann man lernen. Man muss allerdings bereit sein, sich damit auseinanderzusetzen.

Wer einen Mitarbeiter ohne Vorbereitung in eine Führungsposition befördert, darf sich nicht wundern, wenn dieser auf seine bisherigen Fähigkeiten zurückgreift. Schließlich hat er nie etwas anderes gelernt.

Besonders faszinierend finde ich Unternehmen, die für jede neue Maschine eine umfangreiche Einweisung verlangen, aber einem frisch beförderten Vorgesetzten zwanzig Mitarbeiter anvertrauen, ohne ihm vorher auch nur die Grundlagen guter Führung zu vermitteln.

Eine Maschine kostet schließlich Geld. Mitarbeiter kann man ja ersetzen.

Zumindest so lange, bis die Personalabteilung wieder über den Fachkräftemangel jammert.

Eine Beförderung ist keine Führungskräfteentwicklung.

Fazit

Wenn Sie hervorragende Mitarbeiter langfristig an Ihr Unternehmen binden möchten, sollten Sie ihnen Entwicklungsmöglichkeiten bieten, ohne sie zwangsläufig zu Führungskräften machen zu müssen.

Und wenn Sie jemanden zur Führungskraft befördern, dann sorgen Sie dafür, dass dieser Mensch die notwendigen Fähigkeiten erlernen kann.

Denn eine fachlich hervorragende Führungskraft, die menschlich eine Katastrophe ist, bleibt vor allem eines: eine Katastrophe.

Nur eben mit einem höheren Gehalt und Personalverantwortung.

Ihr

Christian Milerski